Das Weltbild des Mittelalter
Wir gehen davon aus, das es kein allgemeingültiges Weltbild zur Zeit des Mittelalters gegeben hat.
Die Menschen der heutigen Zeit haben ihr gemeinsames Weltbild, (jenen Teil des Weltbildes, den sie gemeinsam haben) in erster Linie durch eine grundsätzlich ähnliche Schulbildung und durch die Informationen der Medien.
Derartige Institutionen gab es in dieser Form und in diesem Umfang im Europa des Mittelalter nicht.
Wir wollen versuchen, einen allgemeinen Einblick in die möglichen Weltbilder der Menschen des Mittelalters zu gestalten.
Dazu beleuchten wir verschiedene Aspekte, die mitbestimmend sein könnten für ein Weltbild:
- Die Religion im Mittelalter
- Die Sicht der Welt im Mittelalter
- Die Zeitrechnung
- Die allgemeine Sozialstruktur im Mittelalter
- Die politischen Strukturen des Mittelalters
- Die Herrschaftsstrukturen des Mittelalters
Diese Dinge, in Abhängigkeit des Christentums sind stark miteinander vernetzt, und die Betrachtungen, Wirkungen und Wahrnehmungen des Einzelnen Gründen sich möglicherweise in erster Linie in der tiefen, aus Überzeugung und Glauben geborenen Religiosität der Menschen dieser Zeit.
Die Betrachtungen hier gelten natürlich nicht für jeden einzelnen Menschen.
Sondern geben eher die mögliche Sicht der breiten Masse wieder.
Ausnahmen hat es sicher, in unterschiedlichsten Varianten, Ausprägungen und in Vielzahl gegeben.
Bereits hier müsste der Baum sich verzweigen. Bei der Beurteilung und Einschätzung über die Durchdringung des Christentums in die persönlichen Lebensbereiche der Menschen.
Denn man kann ja grundsätzlich von zwei Polen ausgehen.
1. Die Menschen
waren tief religiös
2. Die Menschen
waren nicht durch die Bank tief religiös
und auch noch zwischen
sie waren Christen und
sie waren religiös differenzieren.
Die Religion im Mittelalter
Beginnend mit der 2. Christianisierung (um 750 n.Chr.) wurden die alten Religionen immer mehr verdrängt und es setzte sich das Christentum in Europa durch.
Dieser Prozess verlief von Süden nach Norden.
Während im Ost- und Westfränkischem Herrschaftsgebiet das Christentum bereits etabliert war, (um 10 Jh.), war es nördlich der Elbe eher nur sporadisch anzutreffen.
Erst mit der Vereinigung der dänischen Stämme unter Gorm dem Alten (1. dänische König, siehe auch Herrscher des Mittelalter, Gorm der Alte) und seiner persönlichen Hinwendung zum Christentum und seiner Taufe, nahm das Christentum auch nördlich der Elbe Einzug.
Jedoch wissen wir, zum Beispiel aus den Berichten von Reisenden, das vielerorts auch noch die alten Religionen praktiziert wurden.
Auf Grund des geltenden Rechtes, war das nicht ohne Risiko, denn die christliche Kirche verband alles, was nicht christlich war, direkt mit dem Teufel.
Die Ausübung der alten Religionen konnte daher wahrscheinlich nur im geheimen stattfinden, da ihre Anhänger Gefahr liefen als Häretiker, Ketzer oder Hexer angeklagt zu werden.
Das wenig differenzierte Strafrecht des Mittelalters bedrohte diesen Menschen daher mit dem Tod.
Die Religion des Christentums im Mittelalter war eine Religion, die das Leben der Menschen vermutlich sehr stark prägte.
Gott war allgegenwärtig, allmächtig und ständig, allerorts und jederzeit präsent.
Nichts geschah ohne sein Wissen und ohne sein Wollen.
Der Bischof und Patriarch von Rom (der heute gängige Begriff ist
Papst und entstand erst im späten Mittelalter) war für das Römische Reich, zudem auch Europa gehörte, der Vertreter Gottes auf Erden.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Nicht nur sinnbildlich.
Seine Vertreter waren ebenso von dieser Tatsache überzeugt, wie jeder Christ im Abendland.
Das wichtigste Buch überhaupt war die Heilige Schrift, die Bibel.
Jede Form von wissenschaftlicher Betrachtung stand im Gegensatz zu dieser Schrift und dem Wort Gottes, bzw. seines Vertreters und war immer der Gefahr ausgesetzt, als Häresie betrachtet zu werden.
Die Folgen dieser dogmatischen Sicht waren unter anderem:
- Philosophische Betrachtungen und Gedanken waren meist nur von einer Richtung möglich.
- Eine Wissenschaft, die betrachtete, beobachtete und Erklärte war so gut wie nicht vorhanden.
- Medizinischer Fortschritt war nicht möglich.
- ..
Denn das alles stand stark im Widerspruch zur Schöpfungsgeschichte.
Ein Wissenschaftler, der die Entstehung des Universums mit dem Urknall erklärt hätte, wäre unweigerlich für Verrückt erklärt worden oder aber er hätte sich als Blasphemiker vor der Kirche verantworten müssen.
Niemand zweifelte an der Gültigkeit dieser Worte oder kam auf die Idee, diesen eine Deutung zu geben.
Die Folgen könnten Exkommunizierung (*2) oder der Bann(*3) sein.
Uns mag diese Form der Bestrafung nicht wirklich beeindrucken, doch exkommuniziert zu werden, bedeutete, kein Einlass in das Paradies.
Durch die tiefe Gläubigkeit der Menschen hatte die christliche Kirche eine enorme Machstellung
Die Sicht der Welt
Für die Menschen des Mittelalters waren die folgenden Punkte genauso wahr und selbstverständlich, wie für uns, das die Erde eine Kugel ist und 2x2 = 4.
- Den Mittelpunkt dieser Erde bildet Jerusalem. (Grabeskirche des Jesus von Nazareth)
(Was das Zentrum der Religion ist, muss auch das Zentrum der Welt sein)
- Die bekannte Erde besteht aus den drei Teilen (durch das grüne Mittelmeer, Schwarze Meer, Don und Nil ist die Erde dreigeteilt, T-O Aufbau (*1) siehe auch -> Historische Karten des Mittelalter):
- Alles Land ist umflossen vom Ozean (Klebermeer), wer sich an den Rand der Erde bewegt stürzt herab.
- Die Welt ist in Sphären aufgeteilt
(Der geneigte Leser wird feststellen, das wir versuchen deutlich zwischen >Erde< und >Welt< zu differenzieren!)
- Das Jüngste Gericht ist ein Ereignis, das bevor steht, so selbstverständlich und sicher, wie für uns, das Samstag und Sonntag Wochenende ist, und einmal im Jahr Bundesliga-Spiele im Fernsehen zu sehen sind.
- Das Paradies steht jedem offen, dem Vergebung zu Teil wurde oder demjenigen, der ohne Sünde ist.
- Das Paradies ist erstrebenswertes Ziel des Seins und der Aufenthalt in dieser Welt nur eine vorübergehende Prüfung.
Die T-O Teilung der bekannten Erde
Das >T< Rote Meer und Mittelmeer bilden auf den mittelalterlichen Karten annähernd ein T .
Das >O< für die Ausrichtung der Karten nach Osten. (Dem Paradies zugewandt, häufig durch heilige Figuren, z.B. Adam u. Eva markiert.)
Die Aufteilung der Welt in Sphären
(Siehe auch ->historische Karten des Mittelalters)
Die Zeitrechnung
Die allgemeine Sozialstruktur
- Die Gesellschaftsform im Mittelalter war eine Agrar-Gesellschaft
- Wissen konzentrierte sich in der Regel auf Klöster, die nicht erstgeborenen, adligen Kinder, wanden sich in der Regel in Klöster um Kirchenkarriere zu machen.
Die Staatsformen im Mittelalter
- Die Institution STAAT war noch nicht vorhanden.
- Es war eine personenbezogene Zuordnung, nicht Grenzen - oder nationalitätsabhängig
- Das >Wir Deutschen< oder >Wir Franzosen< existierte, wenn überhaupt, nur auf sehr kleine Regionalitäten oder Gruppen bezogen, wobei auch hier wieder führende Personen ausschlaggebend waren.
Es war eher ein, wir vom Clan der Waldemars, oder wir, des Geyers schwarzer Haufen.
Selbst, das Wir Schotten war eher ein Personenkult, dem der, uns wohl allen bekannten, William Wallace vorstand.
Die politischen Strukturen
Die Herrschaftsstrukturen
Fußnote:
*1: T-O meint, die Anlage der Erde, die Erde (der Kreis) ist durch ein >T< aufgeteilt. Die Ausrichtung ist OSTEN -> OBEN.
*2: Exkommunizierung :
*3:Der Bann / Kirchenbann